Was eine Autohaus-Webseite heute leisten muss
Eine Autohaus-Webseite ist keine Visitenkarte mehr, aber auch kein Ersatz für die großen Fahrzeugbörsen. Sie hat vier konkrete Aufgaben: den aktuellen Bestand zeigen, Probefahrten anfragen lassen, Inzahlungnahmen vorbereiten und Werkstatttermine annehmen. Wenn deine Seite das kann, nimmt sie dir jeden Tag Telefonate ab und bringt Anfragen, für die du keine Vermittlungsgebühr zahlst.
Wenn sie es nicht kann, passiert meistens Folgendes: Ein Interessent findet ein Fahrzeug in einer Börse, schaut sich deine Seite an, um zu sehen, wer du bist, und findet dort ein Bild vom Hof und eine Telefonnummer. Er fragt dann über die Börse an oder gar nicht.
Wo die Fahrzeugbörsen stärker sind, ehrlich gesagt
Die großen Börsen wie mobile.de und AutoScout24 haben etwas, das deine Seite nie haben wird: Reichweite. Die meisten Käufer starten ihre Suche dort, filtern nach Marke, Preis und Entfernung und vergleichen dutzende Angebote. Gegen diese Plattformen gewinnst du bei der reinen Auffindbarkeit eines bestimmten Fahrzeugs nicht.
Deshalb wäre es falsch, die Börsen abzuschalten und alles auf die eigene Seite zu setzen. Die eigene Seite zählt aus anderen Gründen:
- Vertrauen. Fast jeder schaut sich den Händler an, bevor er losfährt. Echte Fotos vom Betrieb, ein Team mit Namen und gute Bewertungen entscheiden, ob er kommt.
- Anfragen ohne Gebühr. Wer direkt über deine Seite anfragt, kostet dich keine Vermittlung und landet direkt bei dir.
- Lokale Suche. Wer nach "Autohaus Bielefeld" oder "Gebrauchtwagen Herford" sucht, soll dich finden, nicht nur eine Börse.
- Alles, was nach dem Kauf kommt. Werkstatt, Reifenwechsel, HU, Service. Das bildet keine Börse für dich ab, und genau das bringt Kunden zurück.
Fahrzeugbestand einbinden, ohne doppelt zu pflegen
Das ist der Punkt, an dem die meisten Autohaus-Seiten scheitern. Fahrzeuge werden in der Börse eingestellt und auf der Webseite noch einmal von Hand. Nach drei Monaten stehen auf der Seite Autos, die längst verkauft sind, und neue fehlen. Ein Interessent ruft wegen eines Wagens an, der seit Wochen weg ist. Das kostet Vertrauen.
Die Lösung ist einfach im Prinzip: Ein Fahrzeug wird nur an einer Stelle erfasst. Das ist entweder dein Händlerprogramm oder die Börse, über die du ohnehin arbeitest. Von dort werden die Daten automatisch auf deine Webseite übertragen. Die großen Börsen und viele Händlerprogramme bieten dafür Schnittstellen oder Datenexporte an.
Was das im Alltag bedeutet:
- Neues Fahrzeug einmal einstellen, es erscheint überall
- Preis einmal ändern, er stimmt überall
- Fahrzeug als verkauft markieren, es verschwindet von der Seite
Wichtig ist, dass die Fahrzeuge auf deiner Seite nicht nur in einem eingebetteten Fenster einer fremden Plattform angezeigt werden. Dann gehört der Inhalt technisch nicht dir, und Google ordnet ihn nicht deiner Seite zu. Besser ist, wenn jedes Fahrzeug eine eigene Detailseite unter deiner Adresse bekommt.
Die Fahrzeugseite: was Käufer sehen wollen
Jede Detailseite sollte die Fragen beantworten, die sonst am Telefon kommen:
- Viele echte Fotos, rundum und innen, mit sichtbaren Gebrauchsspuren
- Erstzulassung, Kilometerstand, Vorbesitzer, Serviceheft, HU-Termin
- Ausstattung in lesbarer Form, nicht als Codeliste
- Preis, und ob Inzahlungnahme möglich ist
- Direkt auf der Seite: Probefahrt anfragen und Rückfrage zu genau diesem Fahrzeug
Bei neuen Pkw kommt eine rechtliche Pflicht dazu. Nach der Pkw-Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung müssen Händler, die einen neuen Personenkraftwagen anbieten oder dafür werben, Angaben zu Verbrauch und CO2-Emissionen machen. Mit der Novelle des Bundeswirtschaftsministeriums, die im Februar 2024 in Kraft getreten ist, kam die CO2-Klasse dazu, die sich nach dem absoluten Wert der CO2-Emissionen richtet. Wer neue Pkw im Internet zum Kauf, zur Langzeitmiete oder zum Leasing anbietet, muss die Angaben bei der Beschreibung des Fahrzeugs darstellen.
Achtung bei Vorführwagen und Tageszulassungen: Auch sie können je nach Laufleistung und Zulassungsdauer noch als neue Pkw im Sinne der Verordnung gelten. Fehlende Pflichtangaben sind ein bekannter Anlass für Abmahnungen. Lass im Zweifel prüfen, welche deiner Fahrzeuge betroffen sind, und sorg dafür, dass die Angaben automatisch aus deinen Fahrzeugdaten auf die Seite übernommen werden.
Probefahrt online anfragen statt anrufen
Eine Probefahrt sollte online angefragt werden können, aber nicht fest buchbar sein. Der Grund ist einfach: Zwischen Anfrage und Termin kann das Fahrzeug verkauft werden. Eine feste Buchung für ein Auto, das am nächsten Morgen weg ist, ärgert den Kunden mehr als eine kurze Rückfrage.
So funktioniert es gut:
- Der Knopf "Probefahrt anfragen" sitzt direkt auf der Fahrzeugseite, das Fahrzeug ist schon eingetragen.
- Der Kunde wählt zwei oder drei Wunschzeiten.
- Er gibt Name und Telefonnummer an, mehr nicht.
- Er bekommt sofort eine Bestätigung, dass die Anfrage angekommen ist.
- Du bestätigst den Termin, sobald klar ist, dass das Auto verfügbar ist.
Den Hinweis, dass für die Probefahrt ein gültiger Führerschein vorzuzeigen ist, gehört in die Bestätigung. Persönliche Dokumente wie Ausweis oder Führerschein solltest du nicht schon im Formular hochladen lassen. Je weniger Daten du vorab einsammelst, desto weniger musst du schützen.
Inzahlungnahme mit Fotos vorbereiten
Viele Käufer haben ein Altfahrzeug. Die Frage "Was bekomme ich für meinen?" entscheidet oft mit darüber, ob gekauft wird. Wer diese Frage online gar nicht stellen kann, ruft entweder an oder schaut beim nächsten Händler.
Eine gute Inzahlungnahme-Anfrage fragt das ab, was dein Verkäufer für eine erste Einschätzung braucht:
- Marke, Modell, Erstzulassung, Kilometerstand
- Kraftstoff, Getriebe, wichtige Ausstattung
- Scheckheft gepflegt, unfallfrei, nächste HU
- Fotos: vier Seiten, Innenraum, Tacho, sichtbare Schäden
- Für welches Fahrzeug aus deinem Bestand sich der Kunde interessiert
Damit ist klar, was du daraus machen kannst und was nicht. Du kannst eine realistische Spanne nennen oder sagen, ob es grundsätzlich passt. Eine verbindliche Bewertung gibt es erst nach Besichtigung. Schreib das offen dazu. Kunden reagieren deutlich besser auf eine ehrliche Vorab-Einschätzung als auf ein Online-Versprechen, das vor Ort nach unten korrigiert wird.
Wie gut so eine geführte Anfrage im Autobereich funktionieren kann, zeigt ein CarHiFi-Betrieb in Herford. Dort stellen Kunden sich ihre Anlage über einen Konfigurator mit eigenem Backend selbst zusammen, und die Kundenanfragen sind danach um 74 Prozent gestiegen. Das Prinzip ist dasselbe: Wer schon Angaben gemacht hat, hat sich innerlich fast entschieden. Mehr dazu in den Case Studys.
Werkstatt und Service: der Grund, warum Kunden wiederkommen
Der Verkauf ist für viele Autohäuser der sichtbare Teil, die Werkstatt der verlässliche. Auf der Webseite wird sie oft vergessen. Dabei ist sie der Grund, warum ein Kunde in drei Jahren wieder bei dir kauft.
Das Mindeste:
- Eine eigene Seite für Werkstatt und Service mit den Leistungen, die du wirklich anbietest
- Eine Terminanfrage mit Kennzeichen, Kilometerstand und gewünschter Leistung
- Klare Annahmezeiten und der Hinweis, ob ein Ersatzwagen möglich ist
Was du dir sparen kannst
Ehrlich gesagt gibt es auf Autohaus-Seiten einiges, was Aufwand macht und wenig bringt:
- Eine eigene Fahrzeugsuche mit zwanzig Filtern, wenn du dreißig Fahrzeuge auf dem Hof hast. Marke, Preis und Kraftstoff reichen.
- Eingebettete Börsenfenster statt eigener Fahrzeugseiten. Sie sehen schnell gemacht aus, bringen dir bei Google aber wenig.
- Online-Bewertungsrechner mit verbindlichen Preisen für Inzahlungnahmen. Sie wecken Erwartungen, die du vor Ort oft nicht halten kannst.
- Große Imagevideos auf der Startseite, die auf dem Handy langsam laden.
Wie eine Seite technisch aufgebaut wird, auf der Bestand, Anfragen und Werkstatt zusammenlaufen, findest du unter Webseiten mit System. Der wichtigste Schritt hängt aber nicht an der Technik: Entscheide, wo deine Fahrzeuge künftig genau einmal gepflegt werden. Alles andere baut darauf auf.