Warum die eigene Webseite besser funktioniert, als du denkst
In einem Stellenportal bist du eine Zeile zwischen vierzig anderen Betrieben, die alle fast dasselbe schreiben. Auf deiner eigenen Seite kannst du zeigen, wie es bei dir wirklich ist: die Fahrzeuge, das Team, die Werkstatt, der Chef mit Namen und Gesicht. Genau das entscheidet bei einem Handwerker, der sich fragt, ob er bei dir anfangen will.
Dazu kommt ein praktischer Punkt. Alles andere, was du für die Suche machst, braucht ein Ziel. Der Aufkleber am Transporter, der Zettel an der Tür, der Beitrag auf Instagram, die Empfehlung eines Mitarbeiters: Alle zeigen auf dieselbe Adresse. Wenn es diese Seite nicht gibt, landen die Leute auf deiner Startseite und finden nichts.
Ehrlich gesagt ersetzt das die Portale nicht komplett. Für Berufseinsteiger und für Leute, die nicht nach deinem Betrieb suchen, haben Portale und die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit mehr Reichweite. Aber die eigene Seite ist die Basis, auf die alles einzahlt, und sie kostet dich nach dem Einrichten nichts pro Anzeige.
Wie viel Aufwand lohnt sich überhaupt?
Kurz vorweg, damit du nicht am falschen Ende investierst: Wenn du alle drei Jahre einmal jemanden suchst, brauchst du keine aufwendige Karrierewelt. Dann reicht eine einzige Unterseite, die du aktuell hältst.
Lohnend wird es, wenn mindestens einer dieser Punkte zutrifft:
- Du suchst mehr oder weniger dauerhaft jemanden
- Du bildest aus und willst jedes Jahr Lehrlinge finden
- Du willst wachsen und planst Einstellungen ein
- Du hast schon einmal einen guten Mann verloren, weil die Bewerbung zu umständlich war
Was auf eine Karriereseite gehört
Bau sie als feste Unterseite, nicht als PDF zum Herunterladen. Ein PDF kann Google schlecht lesen und auf dem Handy liest es keiner.
Diese Punkte gehören drauf:
- Wer ihr seid, in drei bis vier Sätzen. Wie viele Leute, was macht ihr, seit wann.
- Echte Fotos. Team, Werkstatt, Fahrzeuge, eine fertige Baustelle. Keine gekauften Bilder von lächelnden Models mit Schutzhelm. Die erkennt jeder.
- Was ihr bietet, konkret. Also nicht "attraktive Vergütung", sondern Dinge, die man nachprüfen kann: eigenes Fahrzeug, feste Arbeitszeiten, Freitag früher Schluss, bezahlte Weiterbildung, Zuschuss zur Altersvorsorge.
- Die offenen Stellen, jede mit eigener Unterseite und eigener Adresse. So kannst du einzelne Stellen teilen und Google kann sie einzeln erfassen.
- Eine Ansprechperson mit Namen, Foto und Durchwahl. Viele melden sich lieber telefonisch, als ein Formular auszufüllen.
- Initiativbewerbung. Auch wenn gerade nichts offen ist. Gute Leute suchen nicht nach deinem Zeitplan.
Die Stellenanzeige: ehrlich schlägt austauschbar
Die meisten Anzeigen im Handwerk lesen sich gleich. Dynamisches Team, abwechslungsreiche Tätigkeit, leistungsgerechte Bezahlung. Das sagt nichts und wird überflogen.
Was stattdessen wirkt:
- Ein Gehaltsrahmen. Das ist der größte Hebel und der unbequemste. Google Search Central weist in der Dokumentation zu Stellenausschreibungen ausdrücklich darauf hin, dass Nutzer Ausschreibungen mit expliziter Gehaltsangabe denen ohne vorziehen. Wer keine Zahl nennt, wird oft gar nicht erst angeklickt.
- Wie ein normaler Tag aussieht. Abfahrt um wann, Baustellen im Umkreis von wie vielen Kilometern, allein oder im Zweierteam, Pausenregelung.
- Was unangenehm ist. Samstagsdienst, Rufbereitschaft, Montage mit Übernachtung. Wer das verschweigt, hat den Mann nach sechs Wochen wieder verloren. Offen genannt wirkt es dagegen glaubwürdig.
- Was du wirklich brauchst. Führerschein, Gesellenbrief, Berufserfahrung. Streich alles, was eigentlich nur nett wäre, denn lange Anforderungslisten schrecken genau die Leute ab, die sich selbst kritisch einschätzen.
Rechtlich solltest du zwei Dinge beachten. Nach § 11 AGG darf ein Arbeitsplatz nicht unter Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot ausgeschrieben werden. Der übliche Zusatz m/w/d ist dafür der einfachste Weg. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes weist außerdem darauf hin, dass der gesamte Bewerbungsprozess ab der Ausschreibung diskriminierungsfrei gestaltet sein muss. Praktisch heißt das: keine Altersgrenzen, kein "junges Team", keine Anforderungen, die mit der Arbeit nichts zu tun haben.
Ein Satz, der in fast jeder Handwerksanzeige fehlt und viel bringt: warum der letzte Mitarbeiter gegangen ist oder warum die Stelle neu ist. Wer schreibt "wir haben mehr Aufträge als Hände", erklärt die Stelle in sieben Wörtern.
Bewerbung in zwei Minuten, ohne Anschreiben
Hier verlierst du die meisten. Ein Handwerker sitzt abends auf dem Sofa, sieht deine Anzeige auf dem Handy und soll jetzt ein Anschreiben verfassen und einen Lebenslauf als PDF hochladen. Das passiert nicht. Er schiebt es auf und vergisst es.
Mach es so einfach wie möglich:
- Vier bis fünf Felder. Name, Telefonnummer, auf welche Stelle, was du bisher gemacht hast, ab wann du kannst.
- Kein Anschreiben. Im Handwerk sagt es nichts über die Arbeit aus.
- Lebenslauf optional, Foto eines Zeugnisses reicht auch.
- Direktanruf und Nachricht als Alternative. Ein antippbarer Telefonlink und, wenn du magst, ein Weg über Messenger.
- Kein Kundenkonto, kein Passwort.
Und dann der Teil, der nichts mit Technik zu tun hat: Antworte schnell. Wer sich abends bewirbt und am übernächsten Tag noch nichts gehört hat, ist meistens schon woanders im Gespräch. Leg fest, wer Bewerbungen liest und bis wann reagiert wird. Bewerberdaten solltest du außerdem nicht unbegrenzt aufbewahren, sondern nach Abschluss des Verfahrens wieder löschen.
Wie deine Stelle in die Google-Jobsuche kommt
Das ist der Teil, den viele nicht kennen. Google zeigt bei Suchen wie "Elektriker Job Bielefeld" einen eigenen Bereich mit Stellenangeboten an. Da kannst du kostenlos hinein, wenn deine Stellenseite die passenden technischen Angaben enthält.
Laut der Dokumentation von Google Search Central brauchst du dafür strukturierte Daten vom Typ JobPosting auf der jeweiligen Stellenseite. Das ist ein kleiner Datenblock im Quelltext mit Titel, Beschreibung, Arbeitgeber, Ort, Veröffentlichungsdatum und Beschäftigungsart. Ein Entwickler richtet das in überschaubarer Zeit ein, und bei vielen Systemen gibt es fertige Erweiterungen dafür.
Drei Regeln nennt Google dabei ausdrücklich:
- Die strukturierten Daten gehören auf die Detailseite der Stelle, nicht auf eine Übersichtsseite mit mehreren Stellen.
- Die Angaben in den Daten müssen mit dem übereinstimmen, was in der Anzeige steht. Wenn das Gehalt in den Daten auftaucht, muss es auch im Text stehen.
- Abgelaufene Stellen müssen entfernt werden. Eine Anzeige für eine längst besetzte Stelle schadet mehr, als sie nutzt.
Punkt drei ist der, an dem es im Alltag scheitert. Setz dir eine Erinnerung, wenn du eine Stelle besetzt hast.
Was Bewerber prüfen, bevor sie sich melden
Fast jeder schaut sich den Betrieb vorher an. Dabei zählen drei Dinge, die nicht auf deiner Karriereseite stehen:
- Deine Google-Bewertungen. Die werden auch als Hinweis auf den Umgangston gelesen, nicht nur auf die Arbeitsqualität.
- Deine Fotos. Sieht der Betrieb ordentlich aus, sind die Fahrzeuge gepflegt, wirkt das Team echt?
- Wie aktuell alles ist. Eine Karriereseite mit einer Stelle von 2023 sagt: Hier kümmert sich keiner.
Deshalb ist die Karriereseite kein isoliertes Projekt, sondern ein Teil deines Auftritts. Wie wir Seiten grundsätzlich aufbauen, steht unter Webseiten mit System.
Was du diese Woche machen kannst
- Leg eine Unterseite "Jobs" an, auch wenn gerade nur eine Stelle offen ist
- Schreib eine Anzeige mit Gehaltsrahmen, Arbeitszeiten und dem, was unangenehm ist
- Setz ein Formular mit maximal fünf Feldern darunter, ohne Anschreiben
- Nenne eine Ansprechperson mit Namen, Foto und Durchwahl
- Lass die strukturierten Daten für die Jobsuche einbauen
- Verlinke die Seite überall: Fahrzeug, Werkstatttür, Rechnung, Social Media
Punkt zwei ist die eigentliche Arbeit und der Teil, den dir niemand abnehmen kann. Der Rest ist Handwerk.