Wann ist ein Agenturwechsel wirklich nötig?
Ein Wechsel kostet dich Zeit und Nerven, deshalb lohnt er sich nicht wegen eines einzelnen Ärgers. Wenn einmal eine Antwort zwei Wochen gedauert hat, ist das ärgerlich, aber kein Grund für einen Umzug. Erst wenn sich Probleme häufen und dich das im Alltag ausbremst, wird der Aufwand sinnvoll.
Gleichzeitig sitzen viele Betriebe jahrelang in einer Situation aus, die sie nervt, weil sie Angst vor dem Umzug haben. Meistens ist diese Angst größer als der tatsächliche Aufwand. Der wichtigste Teil eines Wechsels sind nicht die Dateien, sondern drei Zugänge.
Die fünf Warnzeichen
1. Du bekommst keine Antwort mehr. Kleine Änderungen liegen wochenlang, auf Anrufe kommt kein Rückruf. Das ist das häufigste Muster, gerade wenn dein Ansprechpartner den Betrieb gewechselt hat oder das Geschäft nebenbei läuft. Entscheidend ist nicht der Einzelfall, sondern ob es der Normalzustand geworden ist.
2. Jede Kleinigkeit kostet extra. Neue Öffnungszeiten, ein Teamfoto tauschen, ein Absatz ändern: Wenn dafür jedes Mal ein Angebot geschrieben und nach Stunden abgerechnet wird, hörst du irgendwann auf, Änderungen zu melden. Dann veraltet deine Seite. Das ist teurer als jede Pauschale.
3. Du kommst an deine eigenen Sachen nicht ran. Du weißt nicht, wo die Domain liegt, hast keinen Zugang zum Redaktionssystem und niemand kann dir sagen, wo die Seite eigentlich gehostet wird. Das ist das ernsteste Warnzeichen, weil es dich abhängig macht.
4. Die Seite wird technisch nicht gepflegt. Kein Zertifikat mehr, Warnmeldungen im Browser, Formulare, die nicht ankommen, Ladezeiten, die immer schlechter werden. Wer Wartung verkauft, aber nicht wartet, liefert die vereinbarte Leistung nicht.
5. Du bekommst Berichte, aber keine Maßnahmen. Jeden Monat ein PDF mit Zahlen, aber auf der Seite passiert nichts. Berichte sind kein Ergebnis. Frag einmal konkret nach, was im letzten Quartal geändert wurde. Wenn darauf keine klare Antwort kommt, weißt du genug.
Ein Warnzeichen allein heißt: Gespräch suchen. Drei oder mehr heißen: Wechsel vorbereiten. Viele Probleme lassen sich mit einem klaren Telefonat lösen, und das ist immer noch günstiger als ein Umzug.
Führe zuerst ein sachliches Gespräch
Bevor du kündigst, sag deutlich, was du brauchst. Nicht "ich bin unzufrieden", sondern konkret: Rückmeldung innerhalb von zwei Werktagen, kleine Textänderungen ohne Extrarechnung, Zugang zum Redaktionssystem.
Schreib das in eine kurze E-Mail und setz eine Frist. Das hat zwei Vorteile. Manchmal löst sich die Sache damit, weil der Anbieter schlicht nicht wusste, dass es dich stört. Und falls nicht, hast du deine Position schriftlich dokumentiert, was später hilft.
Die drei Dinge, die du vor dem Wechsel klären musst
Das ist der wichtigste Abschnitt in diesem Artikel. Kläre diese Punkte, bevor du irgendjemandem kündigst.
Die Domain. Deine Internetadresse ist das einzige Stück, das du nicht einfach neu bauen kannst. Schau nach, auf welchen Namen sie registriert ist. Wenn dort der Name der Agentur steht und nicht deiner, bist du in einer schwachen Position. Prüfbar ist das über eine Denic-Abfrage bei einer Adresse mit der Endung de, oder du fragst direkt nach dem sogenannten Auth-Code. Dieser Code ist der Schlüssel zum Umzug einer Domain.
Hosting und Redaktionssystem. Wo liegt die Seite, bei welchem Anbieter, mit welchem Zugang? Und gibt es ein System, in dem Inhalte gepflegt werden? Lass dir die Zugangsdaten geben, solange das Verhältnis noch gut ist.
Die E-Mail-Postfächer. Das wird am häufigsten vergessen. Wenn deine Adresse auf die Domain endet, hängen die Postfächer oft beim selben Anbieter. Zieht die Domain um und niemand hat daran gedacht, kommen für Stunden oder Tage keine Mails an, und alte Nachrichten können verloren gehen.
Dazu kommt der Vertrag. Such ihn heraus und schau nach Laufzeit, Kündigungsfrist und danach, was zum Ende der Zusammenarbeit geregelt ist. Viele Verträge im Webbereich laufen zwölf Monate mit automatischer Verlängerung.
So läuft ein sauberer Wechsel ab
Die Reihenfolge ist entscheidend. Wer zuerst kündigt und dann anfängt zu suchen, gerät unter Druck.
- Bestand sichern. Alle Texte in ein Dokument kopieren, alle Bilder in guter Auflösung herunterladen, eine Liste aller Unterseiten mit ihren Adressen anlegen. Dazu ein Export deiner E-Mails.
- Neuen Anbieter auswählen und beauftragen. Nimm die Liste aus Punkt eins mit ins Gespräch. Sie beantwortet die meisten Fragen sofort.
- Neue Seite parallel aufbauen. Deine alte Seite bleibt die ganze Zeit online. Gearbeitet wird auf einer Testadresse, die niemand sieht.
- Umleitungen vorbereiten. Wenn sich Adressen von Unterseiten ändern, muss jede alte Adresse auf die passende neue zeigen. Sonst verlierst du deine Platzierungen bei Google und Besucher landen auf Fehlerseiten. Das ist der technische Punkt, an dem laienhafte Umzüge am häufigsten scheitern.
- Umschalten. Domain umziehen oder umhängen, E-Mail sauber mitnehmen, Zertifikat prüfen. Das passiert idealerweise an einem ruhigen Tag, nicht freitagnachmittags.
- Nachkontrolle. Formulare testen, alle Seiten aufrufen, Google Search Console und das Unternehmensprofil auf die neue Adresse prüfen.
- Erst jetzt kündigen, fristgerecht und schriftlich.
Deine alte Seite ist dabei zu keinem Zeitpunkt offline. Wenn dir jemand sagt, dass ein paar Tage Ausfall normal sind, stimmt das nicht.
Was ist, wenn die alte Agentur nicht mitspielt?
Das kommt vor, ist aber seltener als befürchtet. Bleib in jedem Fall sachlich und schriftlich.
- Kündige per Einschreiben und bitte im selben Schreiben um die Herausgabe der Zugänge und des Auth-Codes, mit einer klaren Frist.
- Bezahl offene Rechnungen. Das nimmt der Gegenseite jedes Argument.
- Bei einer de-Domain kannst du dich im Streitfall an die Denic wenden, es gibt dort Verfahren für den Anbieterwechsel.
- Wenn gar nichts geht, bleibt die Notlösung einer neuen Domain. Das kostet dich Sichtbarkeit und ist ärgerlich, aber es ist möglich. Besser eine neue Adresse als eine Seite, an die du nie wieder rankommst.
Ein Hinweis zum Quellcode: Ob dir die Seite selbst gehört, hängt vom Vertrag ab. Bei vielen Mietmodellen gehört sie dir ausdrücklich nicht. Das ist nicht unseriös, solange es klar vereinbart war. Lies deshalb vor der Unterschrift nach, was am Ende passiert.
Woran du einen guten neuen Anbieter erkennst
Stell im Erstgespräch genau die Fragen, die dich beim letzten Mal eingeholt haben:
- Läuft die Domain auf meinen Namen?
- Bekomme ich Zugang zum System, in dem die Inhalte stehen?
- Was ist im Monatsbeitrag enthalten und was kostet extra?
- Wer kümmert sich um die Umleitungen der alten Adressen?
- Was passiert mit meinen E-Mail-Postfächern?
- Was passiert, wenn ich in drei Jahren wieder wechseln will?
Bei uns läuft es so: Wir übernehmen bestehende Seiten auch von anderen Anbietern und machen den technischen Umzug mit, inklusive Umleitungen und E-Mail. Die monatliche Betreuung, in der Hosting, Wartung und kleine Änderungen enthalten sind, startet erst, wenn die neue Seite live ist. Wie wir arbeiten, steht unter Webseiten mit System, Beispiele findest du in unsere Projekte.
Und zum Schluss noch etwas Ehrliches: Manchmal liegt das Problem gar nicht an der Agentur. Wenn seit drei Jahren niemand aus deinem Betrieb Inhalte geliefert oder Rückmeldungen gegeben hat, wird auch ein neuer Anbieter daran nichts ändern. Prüf das ruhig selbstkritisch, bevor du wechselst. Ein Umzug repariert Technik und Erreichbarkeit, aber keine fehlende Zuarbeit.