Zuerst das Wichtigste: das hier ist keine Rechtsberatung

Dieser Artikel erklärt dir, worum es bei den Pflichttexten geht und worauf du achten solltest. Er ersetzt keine anwaltliche Prüfung und darf das auch gar nicht. Rechtsberatung im Einzelfall dürfen in Deutschland nur Anwälte leisten.

Was du hier bekommst, ist Orientierung. Du sollst verstehen, worüber geredet wird, damit du die richtigen Fragen stellen kannst und nicht blind irgendwelche Textbausteine kopierst. Das ist nämlich der häufigste Fehler.

Wer braucht überhaupt ein Impressum?

Praktisch jeder, der eine Webseite geschäftlich nutzt. Die Pflicht steht seit Mai 2024 in Paragraf 5 des Digitale-Dienste-Gesetzes, kurz DDG. Vorher stand sie im Telemediengesetz. Inhaltlich hat sich dabei kaum etwas geändert, nur die Fundstelle ist eine andere.

Wichtig: Es kommt nicht darauf an, ob du über die Seite etwas verkaufst. Auch eine reine Visitenkarten-Seite mit Öffnungszeiten ist geschäftlich. Und auch deine geschäftlichen Profile bei Instagram, Facebook oder TikTok brauchen eine Anbieterkennzeichnung. Das wird sehr oft vergessen.

Das Impressum muss leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar sein. In der Praxis heißt das: von jeder Unterseite aus in höchstens zwei Klicks, verlinkt unter einem eindeutigen Wort wie "Impressum". Nicht versteckt unter "Service" oder ganz unten in einer Grafik.

Was ins Impressum gehört

Die genaue Liste hängt von deiner Rechtsform ab. Als Grundgerüst gilt:

  • Vollständiger Name. Bei Einzelunternehmen dein Vor- und Nachname, nicht nur der Fantasiename des Betriebs.
  • Ladungsfähige Anschrift. Eine Adresse, an der dir wirklich Post zugestellt werden kann. Ein Postfach reicht nicht.
  • E-Mail-Adresse und ein zweiter schneller Kontaktweg, in der Regel die Telefonnummer. Ein Kontaktformular allein gilt nicht als ausreichend.
  • Bei Firmen zusätzlich: Rechtsform, Vertretungsberechtigte, Registergericht und Registernummer.
  • Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, falls du eine hast. Die normale Steuernummer gehört dagegen nicht dorthin.

Dazu kommen Angaben je nach Beruf. Bei zulassungspflichtigem Handwerk die Handwerkskammer, bei Ärzten, Anwälten oder Steuerberatern die Kammer, die Berufsbezeichnung und die berufsrechtlichen Regelungen. Genau hier lohnt sich ein Blick auf die Merkblätter deiner IHK oder Handwerkskammer, die es kostenlos gibt.

Ein Detail, das viele falsch machen: Die Angabe der Rechtsnorm im Impressum ist nicht nötig. Wenn bei dir noch "Angaben gemäß Paragraf 5 TMG" steht, ist das kein Beinbruch, aber ein sicheres Zeichen dafür, dass die Seite länger nicht angefasst wurde.

Der Baustein, der heute raus muss

Jahrelang stand in fast jedem Impressum ein Link zur EU-Plattform für Online-Streitbeilegung. Diese Plattform wurde zum 20. Juli 2025 endgültig abgeschaltet und die zugrunde liegende Verordnung aufgehoben.

Damit dreht sich die Lage um. Was früher Pflicht war, sollte jetzt weg. Ein Link, der ins Leere führt, und ein Hinweis auf eine Schlichtungsstelle, die es nicht mehr gibt, können als irreführende Angabe gewertet werden.

Konkret: Such in deinem Impressum, in deinen AGB und in der E-Mail-Signatur nach Formulierungen mit "Online-Streitbeilegung" oder "Plattform der EU-Kommission". Wenn du fündig wirst, gehört der Absatz gestrichen. Das ist eine Sache von fünf Minuten und einer der häufigsten veralteten Punkte auf kleinen Firmenseiten.

Achtung: Damit ist nicht automatisch jede Pflicht zur Verbraucherstreitbeilegung erledigt. Ob du dazu noch etwas angeben musst, hängt unter anderem von deiner Betriebsgröße ab. Das ist ein Punkt für die Prüfung, nicht für Bauchgefühl.

Die Datenschutzerklärung: kein Text von der Stange

Hier passiert der teuerste Fehler. Viele kopieren eine Datenschutzerklärung von einer anderen Seite oder lassen sich einen Generatortext geben und hängen ihn drauf. Das Problem: Die Datenschutzerklärung muss beschreiben, was auf deiner Seite tatsächlich passiert.

Wenn darin ein Analyse-Dienst steht, den du gar nicht nutzt, ist sie falsch. Wenn dein Buchungssystem fehlt, ist sie unvollständig. Beides ist schlechter als eine kurze, aber zutreffende Erklärung.

Diese Fragen solltest du für deine eigene Seite beantworten können:

  1. Wer hostet die Seite, also wo liegen die Server?
  2. Was passiert mit den Daten aus dem Kontaktformular, wer bekommt sie und wie lange werden sie aufbewahrt?
  3. Nutzt du ein Analyse-Werkzeug?
  4. Sind Karten, Videos, Schriften oder Social-Media-Elemente von fremden Anbietern eingebunden?
  5. Läuft ein Buchungs- oder Bestellsystem, und wer betreibt es?
  6. Verschickst du einen Newsletter?

Diese Liste ist auch genau das, was ein Anwalt oder ein Rechtstexte-Dienst von dir wissen will. Wenn du sie vorbereitet mitbringst, wird die Prüfung deutlich schneller und günstiger. Wer seine Seite bei uns bauen lässt, bekommt diese Übersicht ohnehin, weil wir wissen, was verbaut wurde. Wie wir Webseiten aufbauen, steht unter Webseiten mit System.

Nicht jede Seite braucht einen. Entscheidend ist, ob auf dem Gerät des Besuchers etwas gespeichert oder ausgelesen wird, das für den Betrieb der Seite nicht zwingend nötig ist.

Grob gesagt:

  • Kein Banner nötig, wenn deine Seite nur Inhalte zeigt und höchstens technisch notwendige Speicherungen nutzt.
  • Banner nötig, sobald Analyse-Werkzeuge, Werbe-Pixel oder eingebettete Inhalte von Drittanbietern laufen.

Wenn du einen Banner hast, muss Ablehnen genauso einfach sein wie Zustimmen. Ein Banner, bei dem nur ein großer grüner Knopf sichtbar ist und das Ablehnen drei Klicks tief versteckt liegt, bringt dir keinen Schutz, sondern zusätzliches Risiko. Und: Die Dienste dürfen erst nach der Zustimmung starten, nicht schon beim Laden der Seite.

Typische Fehler bei kleinen Betriebsseiten

Aus der Praxis sind das die Punkte, die am häufigsten offen sind:

  • Veraltete Angaben. Alte Anschrift nach dem Umzug, alter Geschäftsführer, alte Telefonnummer.
  • Kein Impressum auf den Social-Media-Profilen.
  • Kontaktformular ohne Verschlüsselung. Wenn vor deiner Adresse kein Schloss steht, gehen Daten offen durchs Netz.
  • Schriften und Karten, die direkt vom Anbieter geladen werden. Dabei wird die Adresse des Besuchers übertragen, meistens ohne dass jemand gefragt wurde. Schriften lassen sich stattdessen auf dem eigenen Server ablegen.
  • Bilder ohne Nutzungsrecht. Ein Foto, das jemand aus der Google-Bildersuche gezogen hat, ist einer der schnellsten Wege zu einer Rechnung.
  • Werbeaussagen ohne Deckung. Besonders bei Gesundheit und Ästhetik gelten enge Regeln, auch für Vorher-Nachher-Bilder.

Wo die Grenze verläuft und wer was machen sollte

Die saubere Aufteilung sieht so aus:

Das kann dein Webbetreuer: die Pflichtseiten anlegen und verlinken, die Verschlüsselung einrichten, Schriften lokal einbinden, den Banner technisch so einstellen, dass Dienste erst nach Zustimmung laden, und dir eine Liste aller eingebundenen Dienste geben.

Das gehört zum Anwalt oder zu einem Rechtstexte-Dienst mit Aktualisierungsservice: der Inhalt der Texte, die Frage welche berufsrechtlichen Angaben du brauchst, AGB und Widerrufsbelehrung, alles rund um Werbeaussagen in regulierten Branchen.

Das kannst nur du: sagen, was in deinem Betrieb tatsächlich mit den Daten passiert. Wer die Anfragen liest, wo sie gespeichert werden, wie lange sie liegen bleiben.

Ein Hinweis zum Sparen am falschen Ende: Ein kostenloser Generator kann für eine sehr einfache Seite reichen. Sobald du ein Buchungssystem, einen Shop, einen Newsletter oder einen regulierten Beruf hast, ist die Prüfung durch einen Fachmann das kleinere Risiko. Kostenlose Erstinformationen bekommst du außerdem bei deiner IHK oder Handwerkskammer.

Dein Zwanzig-Minuten-Check

Geh diese Punkte einmal auf deiner Seite durch und mach dir eine Liste für den nächsten Termin mit deinem Anwalt oder Webbetreuer:

  1. Ist das Impressum von jeder Seite aus in zwei Klicks erreichbar?
  2. Stehen Name, ladungsfähige Anschrift, E-Mail und Telefonnummer drin, und stimmen sie noch?
  3. Steht irgendwo noch ein Hinweis auf die EU-Streitbeilegungsplattform?
  4. Gibt es eine eigene Seite "Datenschutz", und beschreibt sie das, was bei dir wirklich läuft?
  5. Zeigt der Browser bei deiner Adresse ein Schloss?
  6. Läuft ein Analyse-Werkzeug, und wenn ja, startet es erst nach Zustimmung?
  7. Haben deine Social-Media-Profile eine Anbieterkennzeichnung?
  8. Hast du für alle Bilder auf der Seite eine Rechnung oder eine Lizenz?

Jedes Nein ist eine Aufgabe, kein Drama. Die meisten dieser Punkte sind in einer Stunde erledigt, wenn sie einmal jemand sauber angeht. Danach ist es reine Pflege: einmal im Jahr durchsehen und nach jedem Umzug, Namenswechsel oder neuen Dienst auf der Seite anpassen.