Baukasten oder eigene Webseite? Die kurze Entscheidungshilfe
Die Frage Baukasten oder eigene Webseite entscheidet sich nicht am Design, sondern an einer einzigen Sache: Was soll die Seite für dich tun? Wenn sie zeigen soll, dass es dich gibt, was du machst und wie man dich erreicht, dann reicht ein Baukasten wie Wix oder Jimdo völlig. Wenn sie dir Kunden bringen oder Arbeit abnehmen soll, kommst du damit irgendwann nicht weiter.
Das klingt banal, wird aber ständig falsch entschieden. Die einen zahlen für eine große Lösung, die sie nicht brauchen. Die anderen bauen drei Jahre lang an einem Baukasten herum und wundern sich, warum bei Google immer der Wettbewerber vor ihnen steht.
Für wen ein Baukasten völlig reicht
Ehrlich gesagt für mehr Betriebe, als manche Agentur zugeben würde. Ein Baukasten ist die vernünftige Wahl, wenn mehrere dieser Punkte auf dich zutreffen:
- Dein Auftragsbuch ist voll und fast alle Kunden kommen über Empfehlung
- Du brauchst nur eine Handvoll Seiten: Start, Leistungen, Über uns, Kontakt
- Niemand soll über die Seite buchen, bestellen oder ein Angebot anfordern
- Du willst kleines Budget binden und selbst Hand anlegen
- Es ist eine Übergangslösung, ein Nebengewerbe oder ein Verein
Ein Beispiel. Ein Malerbetrieb mit drei Leuten, seit zwanzig Jahren im Ort, Terminkalender voll bis in den Herbst. Der braucht eine saubere Seite mit ein paar guten Fotos, einer Telefonnummer und einem Impressum. Dafür 3.000 Euro auszugeben, wäre rausgeworfenes Geld. Ein Baukasten für rund 15 bis 30 Euro im Monat tut es.
Merksatz: Solange deine Webseite nur zeigt, ist der Baukasten richtig. Sobald sie arbeiten soll, wird es eng.
Was ein Baukasten wirklich kostet
Der Monatspreis ist nicht der ganze Preis. Du bezahlst mit deiner Zeit. Rechne für den ersten Aufbau realistisch mit zehn bis fünfundzwanzig Stunden. Texte schreiben, Bilder zurechtschneiden, Menü sortieren, Handyansicht geradeziehen, Rechtstexte besorgen. Danach kommt die Pflege, meistens abends oder am Wochenende.
Wenn dein eigener Stundensatz bei 60 Euro liegt, sind fünfzehn Stunden schon 900 Euro an nicht abgerechneter Arbeitszeit. Das ist kein Argument gegen den Baukasten. Es ist nur ein Argument dafür, ehrlich zu rechnen. Wer gerne selbst bastelt, hat hier keinen Verlust. Wer die Zeit nicht hat, sollte sie nicht so tun, als hätte er sie.
Woran du merkst, dass der Baukasten im Weg steht
Es gibt fünf ziemlich klare Warnzeichen:
- Du wirst nicht gefunden. Leute suchen in deiner Stadt nach deiner Leistung, aber du tauchst nicht auf. Baukästen bieten die Grundlagen für Suchmaschinen, sie kommen bei der technischen Tiefe aber schnell an ihre Grenzen.
- Die Seite ist langsam. Baukastenseiten laden oft mehrere Sekunden, weil viel Code mitgeschleppt wird. Auf dem Handy verlierst du damit Besucher, bevor sie deinen ersten Satz gelesen haben.
- Die Funktion, die du brauchst, gibt es nicht. Eine Buchung mit deinen Regeln, ein Kundenbereich, ein Konfigurator. Entweder gibt es das gar nicht oder nur eine Fremdlösung, die nicht zu deinem Ablauf passt.
- Du machst Arbeit doppelt. Eine Anfrage kommt per Formular, du tippst sie in Excel, dann in dein Angebotsprogramm. Dreimal dieselbe Information.
- Du traust dich nicht mehr, etwas zu ändern. Weil beim letzten Mal die halbe Seite verrutscht ist.
Ein einziger Punkt ist kein Grund für einen Neubau. Drei davon schon.
Der Punkt, an den fast niemand denkt: der Umzug
Das ist die unangenehmste Wahrheit über Baukästen. Du kannst deine Seite später kaum mitnehmen. Das Design lässt sich in der Regel gar nicht exportieren. Inhalte bekommst du oft nur als Rohdatei, ohne Bilder, ohne Layout, ohne Formulare. Backups liegen beim Anbieter, nicht bei dir.
Praktisch heißt das: Wenn du nach vier Jahren wechseln willst, baust du wieder bei null an. Die Zeit von damals ist weg.
Deshalb ein Rat, der nichts kostet und viel spart: Registriere deine Domain immer auf deinen eigenen Namen, nicht über den Baukastenanbieter, und schreib deine Texte in ein normales Dokument, bevor du sie in die Seite kopierst. Damit gehören dir die zwei Dinge, die wirklich Arbeit machen. Der Rest ist ersetzbar.
Was eine individuelle Webseite kann, was ein Baukasten nicht kann
Der Unterschied liegt selten im Aussehen. Baukastenseiten können gut aussehen. Der Unterschied liegt hinter der Oberfläche.
Eine individuell gebaute Seite wird nach dem aufgebaut, was deine Kunden tatsächlich suchen. Jede Leistung bekommt ihre eigene Seite, statt alles in eine Liste zu quetschen. Die Technik ist schlank, die Ladezeit kurz. Und vor allem: Die Seite kann mit dem verbunden werden, was in deinem Betrieb passiert.
Ein Ästhetikstudio in Bünde hat über eine solche Buchungsstrecke bereits über 800 Termine online erhalten, also 800 Anrufe, die niemand mehr annehmen musste. Ein CarHiFi-Betrieb in Herford hat mit einem Konfigurator und einem eigenen Backend 74 Prozent mehr Kundenanfragen bekommen. Eine Fahrschule in Bielefeld-Brackwede ist von null gestartet. Solche Beispiele findest du in unseren Case Studys.
Der Grundsatz dahinter ist einfach: Die Technik passt sich an deinen Betrieb an, nicht dein Betrieb an die Technik. Ein Baukasten macht es andersrum. Du arbeitest so, wie das System es vorsieht.
Fünf Fragen, die deine Entscheidung klären
Beantworte diese Fragen ehrlich, dann weißt du es:
- Kommen genug Kunden ohne Google zu dir? Wenn ja, spricht viel für den Baukasten.
- Gibt es in deiner Stadt mehrere Anbieter, die dasselbe machen wie du? Wenn ja, entscheidet Sichtbarkeit über Aufträge.
- Wie viele Stunden pro Woche verbringst du mit Terminen, Anfragen und Angeboten? Ab etwa drei Stunden lohnt sich Automatisierung.
- Soll ein Kunde nachts um elf etwas erledigen können, ohne dich zu erreichen? Dann brauchst du Funktionen, keine Visitenkarte.
- Hast du selbst Lust und Zeit, an der Seite zu arbeiten? Wenn nein, ist der günstige Weg oft der teure.
Der Zwischenweg, den viele übersehen
Du musst dich nicht ein für alle Mal entscheiden. Viele Betriebe starten mit einer kleinen, sauberen Seite und bauen später Funktionen dazu. Wichtig ist nur, dass die Basis so gebaut ist, dass man darauf aufbauen kann. Ein Terminkalender oder eine Onlinebuchung lässt sich später ergänzen, ohne die ganze Seite neu zu machen. Genau das ist bei einem Baukasten meistens nicht möglich.
Wenn du unsicher bist, welche Stufe zu dir passt, hilft ein Blick darauf, wie so etwas aufgebaut wird. Mehr dazu findest du unter Webseiten mit System. Und wenn nach dem Lesen klar ist, dass dir ein Baukasten reicht, dann ist das ein gutes Ergebnis. Die falsche Entscheidung kostet mehr als die günstige.