Wie KI-Systeme ihre Quellen auswählen
Wenn jemand ChatGPT fragt "Welche Fahrschule in Bielefeld ist gut?", passiert im Hintergrund etwas anderes als bei Google. Die KI zeigt keine Liste mit zehn Links. Sie schreibt eine Antwort und nennt dabei ein paar Quellen. Entweder du bist in dieser Antwort drin oder du bist es nicht. Einen zweiten Platz gibt es kaum.
Die Auswahl läuft grob in drei Stufen:
- Zugang. Darf das System deine Seite überhaupt lesen?
- Verständnis. Findet es auf deiner Seite eine klare Antwort auf die Frage?
- Vertrauen. Gibt es Hinweise, dass du wirklich existierst und weißt, wovon du redest?
An allen drei Punkten kannst du arbeiten, und zwar ohne Technikstudium. Der Reihe nach.
Der erste Test: frag die KI nach deiner Branche
Bevor du irgendetwas änderst, mach diesen Test. Er dauert fünf Minuten und kostet nichts.
Öffne ChatGPT, Perplexity und die Google-Suche. Stell dort die Fragen, die deine Kunden stellen würden. Also nicht "Wie heißt meine Firma?", sondern:
- "Wer macht Badsanierungen in Bielefeld?"
- "Welche Werkstatt in Herford ist auf Wohnmobile spezialisiert?"
- "Was kostet ein Führerschein in Bielefeld?"
Schreib auf, wer genannt wird. Meistens sind es Portale, Verzeichnisse und ein bis drei echte Betriebe. Genau das ist deine Ausgangslage. Wiederhol den Test in drei Monaten, dann siehst du, ob sich etwas bewegt hat.
Schritt eins: sperr die KI nicht aus
Das klingt banal, passiert aber ständig. Auf jeder Webseite liegt eine kleine Datei namens robots.txt. Darin steht, welche Programme die Seite lesen dürfen. Viele Anbieter haben in den letzten Jahren KI-Zugriffe pauschal blockiert, oft ohne dass der Betriebsinhaber davon weiß.
Das Ergebnis: Deine Seite kann in diesen KI-Antworten gar nicht auftauchen.
Diese Namen solltest du kennen:
- GPTBot und OAI-SearchBot von OpenAI, also ChatGPT
- ClaudeBot von Anthropic
- PerplexityBot von Perplexity
- Google-Extended für Googles KI-Funktionen
Du erreichst die Datei, indem du hinter deine Adresse ein /robots.txt hängst, also zum Beispiel deinefirma.de/robots.txt. Wenn dort "Disallow: /" bei einem dieser Namen steht, bist du gesperrt. Frag deinen Webbetreuer, ob das gewollt ist.
Ein zweiter Punkt fällt in dieselbe Kategorie: ChatGPT nutzt bei aktuellen Suchen den Bing-Index. Viele kleine Betriebe sind bei Google angemeldet, bei Bing aber nie. Die Bing Webmaster Tools sind kostenlos, die Anmeldung dauert zehn Minuten. Ohne Bing keine Chance bei ChatGPT.
Und ein Klassiker, der beides betrifft: Wenn deine Inhalte erst nach dem Laden durch ein Skript erscheinen, sehen manche KI-Systeme eine leere Seite. Prüf das, indem du dir den Quelltext ansiehst und nach einem deiner Sätze suchst.
Schritt zwei: Antworten schreiben statt Werbetexte
Das ist der Teil mit der größten Wirkung. KI-Systeme suchen Passagen, die eine Frage vollständig beantworten. "Seit 1998 stehen wir für Qualität" beantwortet nichts. "Ein Führerschein der Klasse B kostet in Bielefeld je nach Fahrstundenzahl meist zwischen X und Y Euro, dazu kommen Prüfungsgebühren" beantwortet etwas.
So baust du eine Seite, die zitierfähig ist:
- Überschrift als echte Frage. So, wie ein Kunde sie stellen würde.
- Direkt darunter die Antwort in drei bis fünf Sätzen. Vollständig, ohne dass man weiterlesen muss. Das ist die Passage, die zitiert wird.
- Danach die Details. Ablauf, Beispiele, Ausnahmen.
- Ein FAQ-Block am Ende, in dem jede Antwort für sich allein verständlich ist.
Wichtig ist der Punkt "für sich allein verständlich". Eine Antwort wie "Das haben wir oben schon erklärt" ist für eine KI wertlos, weil sie nur diesen Ausschnitt herausgreift. Jede Antwort muss den Zusammenhang kurz wiederholen.
Schreib außerdem in normaler Sprache. Kurze Sätze, klare Begriffe, keine Umwege. Was ein Mensch schnell versteht, versteht auch eine Maschine schnell.
Schritt drei: Fakten hinschreiben, die sonst niemand hat
KI-Systeme bevorzugen Inhalte mit überprüfbaren Angaben. Also Zahlen, Zeiträume, Bedingungen, Preise. Genau das, was viele Betriebe aus Vorsicht weglassen.
Drei Beispiele, was gemeint ist:
- Statt "faire Preise" schreibst du "Inspektion ab 180 Euro, je nach Modell"
- Statt "schnelle Bearbeitung" schreibst du "Angebot innerhalb von 24 Stunden"
- Statt "wir arbeiten in der Region" schreibst du, in welchen Orten du tatsächlich arbeitest
Das hat einen angenehmen Nebeneffekt: Diese Angaben helfen auch echten Kunden weiter. Wer sie nicht findet, klickt zum Wettbewerber.
Dazu kommen Angaben, die eine Maschine leicht einordnen kann: Firmenname, Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten, Leistungen, Einzugsgebiet. Diese Daten können technisch so hinterlegt werden, dass Suchmaschinen und KI sie eindeutig auslesen, was ein Entwickler in kurzer Zeit einrichtet. Wie wir das grundsätzlich aufbauen, steht unter Webseiten mit System.
Brauchst du eine llms.txt?
Kurze Antwort: Nein, jedenfalls nicht als Erstes. Die llms.txt ist eine kleine Textdatei, die KI-Systemen erklären soll, worum es auf einer Seite geht. Der Vorschlag hat Aufmerksamkeit bekommen, aber der Nutzen ist umstritten. Google hat ausdrücklich gesagt, dass die Datei für die eigene Suche und die KI-Übersichten keinen Vorteil bringt. Andere Systeme gehen unterschiedlich damit um.
Der Aufwand ist gering, deshalb spricht nichts dagegen, sie anzulegen. Aber erwarte dir davon nichts. Wer eine Agentur hat, die llms.txt als Hauptleistung verkauft, sollte kritisch nachfragen, was sonst noch passiert.
Warum Erwähnungen woanders mehr zählen als deine eigene Seite
Das ist der Punkt, der am meisten überrascht. Eine KI glaubt deiner eigenen Webseite nur begrenzt, weil dort natürlich nur Gutes steht. Vertrauen entsteht durch das, was andere über dich schreiben.
Deshalb wirken diese Dinge stark:
- Bewertungen mit Text. Nicht nur Sterne. Eine Bewertung, in der "Reifenwechsel in Bünde" steht, ist eine überprüfbare Aussage.
- Einträge in relevanten Verzeichnissen, mit überall identischen Daten.
- Lokale Presse und Vereinsseiten. Der Bericht in der Lokalzeitung über deine Jubiläumsfeier ist für eine KI ein Beleg dafür, dass es dich gibt.
- Innungen, Kammern, Hersteller-Partnerlisten. Diese Seiten gelten als verlässlich.
Wer bei Google lokal schon gut sichtbar ist, hat es hier leichter, weil viele KI-Systeme auf denselben Signalen aufbauen. Beispiele aus unserer Arbeit findest du in den Case Studys.
Was du dir sparen kannst
Um das Thema herum ist ein Markt entstanden, in dem viel verkauft wird, das wenig bringt:
- Werkzeuge, die deine "KI-Sichtbarkeit" als Punktzahl messen. Nett, aber du kannst dasselbe erreichen, indem du die KI selbst fragst.
- Massenhaft erzeugte Texte. KI-Systeme erkennen austauschbare Inhalte. Zehn schwache Seiten schaden mehr, als drei gute nutzen.
- Spezielles KI-Markup, das jemand als Geheimtipp verkauft. Es gibt keine geheime Datei, die dich in Antworten katapultiert.
Die ehrliche Zusammenfassung: KI-Sichtbarkeit ist zu großen Teilen dasselbe wie eine ordentlich gemachte Webseite. Erreichbar, klar strukturiert, mit echten Antworten und echten Angaben. Wer das hat, taucht mit der Zeit auch in KI-Antworten auf. Wer es nicht hat, wird von keiner Zusatzdatei gerettet.
Womit du diese Woche anfängst
- Ruf deinefirma.de/robots.txt auf und schau, ob KI-Crawler gesperrt sind
- Melde deine Seite in den Bing Webmaster Tools an
- Nimm deine wichtigste Leistungsseite und setz ganz oben eine Kurzantwort in drei bis fünf Sätzen
- Schreib fünf echte Kundenfragen samt Antwort darunter, jede für sich verständlich
- Stell ChatGPT und Perplexity dieselben Fragen und notier, wer heute genannt wird
Punkt drei und vier sind die eigentliche Arbeit. Der Rest sind Handgriffe.