SEO für Handwerker: was lokal wirklich zählt

Wenn jemand in Bielefeld nach "Elektriker in der Nähe" sucht, entscheidet nicht deine Webseite darüber, ob du ganz oben stehst. Es entscheidet dein Google Unternehmensprofil. Ganz oben in den Suchergebnissen steht ein Kartenbereich mit genau drei Betrieben. Wer da drin ist, bekommt einen großen Teil der Anrufe. Wer nicht drin ist, existiert für viele Suchende praktisch nicht.

Das ist die wichtigste Erkenntnis für lokales SEO in OWL: Dein Profil ist kein Nebenschauplatz. Es ist der Hauptschauplatz. Deine Webseite arbeitet ihm zu.

Die drei Dinge, nach denen Google lokal sortiert

Google nennt selbst drei Faktoren:

  1. Relevanz. Passt dein Eintrag zu dem, was gesucht wurde? Hier zählt vor allem deine Hauptkategorie.
  2. Entfernung. Wie weit ist dein Standort vom Suchenden weg?
  3. Bekanntheit. Wie oft wirst du erwähnt, bewertet und verlinkt?

Punkt zwei ist der ehrliche Teil, den viele Anbieter verschweigen: Deine Adresse kannst du nicht ändern. Ein Betrieb in Bielefeld-Brackwede wird in Gütersloh selten im Kartenbereich stehen, egal wie gut alles andere ist. Du kannst dein Einzugsgebiet im Profil zwar angeben, aber der Standort bleibt der stärkste Hebel, den du nicht in der Hand hast.

Das heißt: Konzentriere dich auf deinen echten Radius. Lieber in fünfzehn Kilometern Umkreis ganz oben stehen als in fünfzig Kilometern nirgendwo.

Schritt eins: Google Unternehmensprofil richtig aufsetzen

Das kostet nichts und ist der größte Hebel. Geh diese Punkte einmal durch:

  • Hauptkategorie exakt wählen. Nicht "Bauunternehmen", wenn du Dachdecker bist. Die Hauptkategorie ist der stärkste Einzelfaktor. Zusatzkategorien für weitere Leistungen kannst du ergänzen.
  • Name genau so, wie er am Firmenschild steht. Keine Suchbegriffe anhängen. "Müller Elektro Bielefeld Notdienst Steckdosen" verstößt gegen die Richtlinien und kann dich den Eintrag kosten.
  • Leistungen einzeln eintragen. Nicht nur "Elektroarbeiten", sondern Zählerschrank, Wallbox, Smart Home, Störungsdienst.
  • Öffnungszeiten pflegen, auch Feiertage. Falsche Zeiten sind der schnellste Weg zu einer schlechten Bewertung.
  • Echte Fotos hochladen. Betrieb, Fahrzeug, Team, fertige Arbeiten. Gekaufte Bilder erkennt jeder.
  • Beschreibung schreiben, in der die Orte vorkommen, in denen du wirklich arbeitest.
  • Nachrichtenfunktion nur aktivieren, wenn jemand auch antwortet.

Ein Nachmittag Arbeit. Danach nur noch alle paar Wochen ein Blick drauf.

Prüf einmal im Quartal, ob jemand dein Profil verändert hat. Google erlaubt Nutzern, Öffnungszeiten oder Adressen vorzuschlagen. Diese Änderungen gehen manchmal ohne Rückfrage live.

Schritt zwei: Bewertungen aufbauen, ohne zu nerven

Bewertungen sind nach dem Profil selbst der wichtigste Faktor. Dabei zählt nicht nur die Anzahl, sondern auch:

  • wie frisch sie sind. Vierzig Bewertungen aus 2021 wirken schwächer als fünfzehn aus diesem Jahr.
  • ob du antwortest. Auf jede, auch auf die guten. Zwei Sätze reichen.
  • wie sie klingen. Eine Bewertung, in der "Badsanierung in Herford" steht, sagt Google mehr als "alles super".

So bekommst du sie im Alltag: Frag direkt nach Abschluss, wenn der Kunde zufrieden ist. Nicht per Serienmail drei Wochen später. Am besten mit einem QR-Code auf der Rechnung oder einem kurzen Link, den du per WhatsApp schickst. Der Weg muss ein Klick sein, sonst passiert nichts.

Ein Maßstab für dein Ziel: Schau nach, wie viele Bewertungen die drei Betriebe im Kartenbereich für deinen wichtigsten Suchbegriff haben. Dieses Niveau willst du in sechs bis zwölf Monaten erreichen.

Was du lassen solltest: Bewertungen kaufen oder mit Rabatten belohnen. Das ist nicht nur gegen die Richtlinien, sondern in Deutschland auch wettbewerbsrechtlich heikel. Und gefälschte Bewertungen erkennt man meistens.

Schritt drei: eine eigene Seite pro Leistung

Hier kommt deine Webseite ins Spiel. Der häufigste Fehler bei Handwerkerseiten ist eine einzige Seite namens "Leistungen", auf der acht Dinge in einer Liste stehen. Google kann daraus nicht erkennen, wofür du hauptsächlich zuständig bist.

Besser ist eine Seite pro Hauptleistung. Auf jeder Seite:

  • Die Leistung im Titel und in der Überschrift, mit Ort
  • Was genau du machst, in normalen Worten
  • Fotos von eigenen Projekten
  • Wie der Ablauf aussieht und was es ungefähr kostet
  • Die häufigsten Fragen deiner Kunden zu genau dieser Leistung
  • Kontaktmöglichkeit ganz oben und ganz unten

Die Fragen sind der unterschätzte Teil. Genau solche Passagen greifen Google und KI-Systeme wie ChatGPT auf, wenn jemand eine Frage stellt. Wer sie beantwortet, wird zitiert.

Echt bleiben beim Ortsbezug: Schreib über Orte, in denen du wirklich arbeitest, und nenne konkrete Projekte. Zwanzig fast identische Seiten für zwanzig Ortsteile bringen heute nichts mehr, das erkennt Google. Wie so eine Struktur aufgebaut wird, steht unter Webseiten mit System.

Schritt vier: überall dieselben Daten

Name, Adresse und Telefonnummer müssen an jeder Stelle im Netz identisch sein. Also im Google-Profil, im Impressum, auf Facebook, in Branchenverzeichnissen, bei der Handwerkskammer.

Typische Stolperfallen:

  • Mal "Straße", mal "Str."
  • Alte Telefonnummer in einem Verzeichnis, das du vor Jahren angelegt hast
  • Zwei Google-Einträge, weil vor sechs Jahren jemand schon mal einen erstellt hat

Der letzte Punkt kommt öfter vor, als man denkt. Such deinen Betriebsnamen einmal bei Google Maps und schau, ob es ihn doppelt gibt. Doppelte Einträge schwächen sich gegenseitig und lassen sich melden.

Was schnell wirkt und was lange dauert

Das ist der Teil, der dir Enttäuschungen erspart:

Schnell, also Tage bis wenige Wochen:

  • Profil vervollständigen und Kategorie korrigieren
  • Fotos hochladen
  • Erste neue Bewertungen
  • Doppelte Einträge bereinigen

Mittel, also ein bis drei Monate:

  • Neue Leistungsseiten werden von Google erfasst und eingeordnet
  • Sichtbarkeit für weniger umkämpfte Begriffe

Lange, also drei bis zwölf Monate:

  • Vordere Plätze bei stark umkämpften Begriffen wie Gewerk plus große Stadt
  • Aufbau von Bekanntheit über Erwähnungen und Verlinkungen

Eine Fahrschule in Bielefeld-Brackwede haben wir zum Beispiel komplett von null aufgebaut. Auch da war es kein Schalter, der umgelegt wurde, sondern eine Sache von Wochen. Beispiele findest du in unseren Case Studys.

Was du dir sparen kannst

Ehrlich gesagt ist ein guter Teil dessen, was Handwerkern verkauft wird, rausgeworfenes Geld:

  • Pakete mit 200 Verzeichniseinträgen. Ein paar relevante reichen, der Rest bringt fast nichts.
  • Gekaufte Backlinks. Riskant und für lokale Suchen selten nötig. Ein Link vom örtlichen Verein, vom Lieferanten oder aus der Lokalzeitung ist mehr wert.
  • Suchbegriffe im Firmennamen. Kurzfristig wirksam, aber gegen die Richtlinien.
  • Monatliche SEO-Berichte ohne Maßnahmen. Wenn du jeden Monat eine Auswertung bekommst, aber nichts passiert, zahlst du für ein PDF.

Und wenn du nur eine Sache aus diesem Artikel umsetzt: Geh heute dein Google-Profil durch und prüfe die Hauptkategorie. Das ist zehn Minuten Arbeit mit der größten Wirkung pro Minute, die es in diesem Bereich gibt.