Was in zwei Jahren ohne Pflege wirklich passiert

Eine ungepflegte Webseite geht selten mit einem Knall kaputt. Sie läuft weiter, sieht auf den ersten Blick normal aus, und genau das ist das Problem. Der Verfall passiert an vier Stellen gleichzeitig: Technik, Sicherheit, Inhalte und Sichtbarkeit. Keine davon meldet sich bei dir.

Der typische Ablauf sieht so aus. In den ersten Monaten merkst du nichts. Nach einem halben Jahr stimmen die ersten Angaben nicht mehr. Nach einem Jahr fällst du bei Google langsam zurück. Nach zwei Jahren ist die Seite entweder ein Sicherheitsrisiko oder sie wirkt auf Besucher wie ein Laden, bei dem seit Jahren niemand aufgeschlossen hat.

Das ist keine Panikmache. Es ist einfach der normale Lauf der Dinge, wenn sich niemand kümmert.

Die Technik: Software läuft aus dem Support

Jede Webseite steht auf Software, die regelmäßig erneuert wird. Das betrifft das System selbst, die Erweiterungen und die Programmiersprache auf dem Server, meistens PHP.

Jede dieser Schichten hat ein Support-Ende. Danach gibt es keine Sicherheitsupdates mehr. Wie verbreitet das ist, zeigt eine Auswertung aus dem Sommer 2026: Über 70 Prozent der öffentlich erreichbaren WordPress-Seiten liefen demnach auf einer PHP-Version, die keine Sicherheitsupdates mehr bekommt.

Dazu kommen Dinge, die einfach ablaufen:

  • Das Sicherheitszertifikat. Läuft es ab, zeigt der Browser eine Warnseite. Besucher sehen dann "Die Verbindung ist nicht sicher", bevor sie überhaupt deine Startseite erreichen. Bei automatisch erneuerten Zertifikaten passiert das selten, bei manuell gekauften regelmäßig.
  • Die Domain. Wird sie nicht verlängert, ist die Seite irgendwann weg. Das klingt absurd, passiert aber, wenn die Rechnung an eine alte Mailadresse geht.
  • Formulare und Schnittstellen. Ein Kontaktformular, das über einen fremden Dienst läuft, hört irgendwann auf zu funktionieren, wenn der Dienst seine Technik umstellt.

Punkt drei ist der unangenehmste, weil er unsichtbar ist. Eine Seite, deren Formular seit acht Monaten ins Leere schickt, sieht völlig normal aus.

Teste dein Kontaktformular einmal im Quartal selbst. Vom Handy aus, mit einer fremden Mailadresse. Das dauert zwei Minuten und ist die lohnendste Routine überhaupt.

Die Sicherheit: warum Erweiterungen das Problem sind

Hier helfen Zahlen, um die Größenordnung einzuordnen. Für das WordPress-Umfeld wurden für 2025 über 11.000 neue Schwachstellen gezählt, deutlich mehr als im Jahr davor. Rund 91 Prozent davon steckten nicht im System selbst, sondern in Erweiterungen.

Das ist eine wichtige Unterscheidung. Das System wird von einem großen Team gepflegt und ist vergleichsweise solide. Erweiterungen stammen oft von einzelnen Entwicklern, manche werden irgendwann gar nicht mehr betreut. Genau solche aufgegebenen Erweiterungen sind das Hauptrisiko, weil für sie nie wieder ein Update kommt.

Dazu kommt das Tempo. Zwischen dem Bekanntwerden einer Lücke und der breiten automatisierten Ausnutzung vergehen nach Branchenauswertungen im Median nur wenige Stunden. Angreifer suchen nicht gezielt nach deinem Betrieb. Sie lassen Programme laufen, die das ganze Netz nach bekannten Lücken absuchen.

Was dabei passiert, ist meistens weniger dramatisch als befürchtet, aber ärgerlich genug:

  • Fremde Werbelinks werden in deine Seiten eingebaut, oft für Glücksspiel oder Medikamente
  • Deine Seite verschickt Spam, wodurch deine Mailadresse auf Sperrlisten landet
  • Besucher werden auf eine andere Seite weitergeleitet
  • Google zeigt eine Warnmeldung vor deiner Seite an

Der letzte Punkt ist der teuerste. Bis so eine Warnung wieder weg ist, vergehen oft Tage, und in der Zeit kommt praktisch niemand mehr auf deine Seite.

Die Inhalte: der leiseste Schaden

Ehrlich gesagt richtet dieser Punkt bei kleinen Betrieben mehr Schaden an als jede Sicherheitslücke. Nach zwei Jahren ohne Pflege stimmen bei den meisten Seiten mehrere dieser Dinge nicht mehr:

  • Öffnungszeiten, besonders an Feiertagen
  • Preise und Leistungen, die es so nicht mehr gibt
  • Mitarbeiter, die längst nicht mehr da sind
  • Eine alte Telefonnummer oder eine Mailadresse, die niemand liest
  • Ein Hinweis auf eine Aktion von vor zwei Jahren
  • Ein Impressum mit der alten Anschrift

Für einen Besucher ist das eindeutig. Er denkt nicht "die haben die Seite nicht gepflegt", er denkt "ob es die noch gibt?". Und ruft nicht an.

Besonders bitter ist die falsche Öffnungszeit. Wer vor verschlossener Tür steht, kommt nicht wieder und hinterlässt im Zweifel eine schlechte Bewertung.

Google: du wirst nicht bestraft, du fällst zurück

Hier räume ich mit einem Missverständnis auf. Google bestraft dich nicht dafür, dass du nichts änderst. Es gibt keinen Abzug für "seit zwei Jahren nicht angefasst".

Was tatsächlich passiert, ist langsamer und unspektakulärer:

  1. Dein Wettbewerb entwickelt sich weiter. Wer Seiten ergänzt, Fragen beantwortet und Bewertungen sammelt, zieht vorbei. Du stehst nicht still, du fällst relativ zurück.
  2. Die Bewertungsregeln ändern sich. Google passt seine Verfahren mehrmals im Jahr an. Wer nie nachjustiert, verliert mit der Zeit Boden.
  3. Technische Werte wandern nach unten. Ladezeiten und Darstellung auf dem Handy werden gemessen. Was vor drei Jahren schnell war, ist es heute nicht mehr automatisch.
  4. Veraltete Angaben werden sichtbar. Google zeigt teils Öffnungszeiten und Preise direkt an. Widersprüchliche Angaben zwischen Webseite und Unternehmensprofil wirken nicht vertrauenswürdig.

Wie schnell das geht, hängt stark von deinem Wettbewerb ab. In einer Nische mit drei Anbietern passiert jahrelang wenig. Bei einem Gewerk mit zwanzig Betrieben in der Stadt merkst du es nach wenigen Monaten.

Was eine Wiederherstellung kostet

Der Vergleich, der oft fehlt: Pflege kostet laufend wenig, eine Reparatur kostet einmalig viel.

Wenn eine Seite zwei Jahre liegen geblieben ist, lassen sich Updates oft nicht mehr einfach einspielen. Zwischen den Versionen liegen zu viele Schritte, Erweiterungen passen nicht mehr zusammen, manche gibt es gar nicht mehr. In der Praxis landet man dann häufig bei einem Neuaufbau statt bei einer Aktualisierung.

Kommt ein Sicherheitsvorfall dazu, wird es aufwendiger: Schadcode finden, sauberes Backup einspielen, Passwörter wechseln, Google um erneute Prüfung bitten. Und ohne Backup wird es richtig unangenehm.

Deshalb ist die eine Frage, die du deinem Anbieter stellen solltest: Gibt es Backups, wie oft, und wo liegen sie? Ein Backup, das auf demselben Server liegt wie die Seite, hilft bei einem Serverausfall nicht.

Wie viel Pflege wirklich reicht

Nicht jede Seite braucht dasselbe. Zwei Fälle:

Eine reine Informationsseite aus festen Seiten, ohne System und ohne Erweiterungen, ist technisch anspruchslos. Da geht es vor allem um Zertifikat, Domain, Formular und aktuelle Inhalte. Das ist ein Blick pro Quartal.

Eine Seite auf einem System mit Erweiterungen, also mit Buchung, Shop, Kundenbereich oder Blog, braucht regelmäßige Updates. Monatlich ist ein vernünftiger Takt, bei Sicherheitsupdates auch sofort.

Das Minimalprogramm, das die meisten Probleme verhindert:

  1. Updates einspielen, mit vorherigem Backup
  2. Backups automatisch und außerhalb des Servers
  3. Einmal im Quartal Formular testen und Öffnungszeiten prüfen
  4. Einmal im Jahr durch alle Seiten gehen und Veraltetes entfernen
  5. Zertifikat und Domainverlängerung auf einer Adresse, die jemand liest

Das ist der Grund, warum wir Hosting, Wartung und kleine Änderungen in einer laufenden Betreuung zusammenfassen. Nicht weil Technik ständig kaputtgeht, sondern weil die Hemmschwelle sonst zu hoch ist: Wer für jede geänderte Öffnungszeit ein Angebot bekommt, meldet die Änderung irgendwann nicht mehr. Wie wir das aufbauen, steht unter Webseiten mit System.

Was du heute in einer Viertelstunde prüfst

Nimm dir dein Handy und geh das durch:

  1. Zeigt der Browser bei deiner Adresse ein Schloss?
  2. Stimmen Öffnungszeiten, Telefonnummer und Adresse?
  3. Ist jemand auf der Teamseite, der nicht mehr da ist?
  4. Kommt eine Testanfrage über dein Formular tatsächlich an?
  5. Weißt du, wann zuletzt Updates gemacht wurden und ob es Backups gibt?
  6. Läuft die Domainverlängerung auf eine Mailadresse, die jemand liest?

Wenn du bei Punkt fünf passen musst, ist das die erste Frage an deinen Anbieter. Die Antwort darauf sagt dir mehr über den Zustand deiner Seite als jeder Blick auf das Design.